Blücher in Jeßnitz am 09. und 10. Oktober 1813Eine nicht unwesentliche Rolle spielte Jeßnitz in den Vortagen der Völkerschlacht bei Leipzig. Nach dem G. L. von Blücher mit der Schlesischen Armee den Elbübergang bei Wartenburg in der Nordostecke der Dübener Heide erzwungen hatte, trieben die siegreichen russisch preußischen Truppen die Franzosen bis in die Leipziger Gegend zurück. Während jener denkwürdigen Schwenkung der Schlesischen Armee die ganz wesentlich zum Sieg bei Leipzig beigetragen hat, war Jeßnitz mehrere Tage lang Hauptquartier der Schlesischen Armee. Blücher wohnte bei dem Seifensiedermeister Leopold Mertens, Hauptstraße 10. Das Quartierbillet für G. L. von Blücher, welches auf hiesigem Rathause geschrieben und seinem Adjutanten eigenhändig wurde lautete wörtlich:
Diese Familie führte eine Familienchronik, aus welcher folgendes erwähnenswert wäre: 09.Oktober.1813. Heute trafen in Jeßnitz (in der Mühle) mehrere Größen zusammen, nämlich General Yorck, der Kronprinz von Hessen Kassel, der Prinz von Mecklenburg Strelitz, der Prinz von Hessen Homburg, der Prinz Friedrich von Preußen, der Fürst Radziwill mit seinen Söhnen, der Prinz von Hohenzollern. Bei Roßdorf lagerte sich ein Teil des Yorckschen Korbs (Armee des Feldmarschalls Blücher). Nachts 11 Uhr kam auch der General Blücher hierher und nahm sein Quartier bei uns. Die ganze Nacht hindurch marschierten Truppen durch die Stadt, unter anderen auch der russische General Langeron mit seinem Korps. Sie passierten nämlich die Mulde auf einer Schiffsbrücke, die sie des Nachts schlugen. 10.Oktober 1813. Früh ging der General von Bülow und Yorck mit ihren Truppen von hier weg. Das Durchmarschieren währte immer fort. Der General von Blücher speiste zu Mittag noch bei uns. Unter seinem Gefolge befanden sich: der General Kork, General Theit, Graf Hardenberg, Oberst Müffling, Oberst von Möllenbräu, Oberst v. d. Goltz, Rittmeister Graf Nostitz, Staatsrad Rippentrog, Major Oppen und verschiedene russisch, preußische, englische, schwedische, österreichische Offiziere, die alle nebst zwei russischen Generalen bei dem General Blücher aßen. Es waren zusammen 25 Personen. Machmittag ging der General Blücher weiter, so auch die Prinzen. Ein russischer General blieb als Kommandant der Stadt bei uns im Quartier, zu dem sich auch noch ein General und ein Oberst einquartierte. Noch bemerke ich, daß in der vorigen Nacht zwölf der vornehmsten Offiziere auf der Streu in unserer Stube vorliebnehmen mußten, worunter die vorige Einquartierung blieb. Übrigens waren Hof, Ställe, Scheunen und Gärten von Schweden angefüllt.
Diorama im Museum Bitterfeld
Blücher überquert mit seiner Armee die Mulde bei Jeßnitz
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