m

  Mühlbeck  

 

Blücher am 07. Oktober 1813 in Mühlbeck

 

 

Kriegsrat im Pfarrhaus zu Mühlbeck

Eine nicht unwichtige Rolle spielte Mühlbeck im Jahre 1813. Am 7. Oktober des genannten Jahres trafen sich im Mühlbecker Pfarrhaus der Kronprinz von Schweden, der Prinz Wilhelm von Preußen und der General von Blücher, um Festlegungen zu treffen, Napoleon zu schlagen. Es war der Plan für die Völkerschlacht bei Leipzig.

.

Teilnehmer an dieser Besprechung im Mühlbecker Pfarrhaus

waren nach den jetzigen Ermittlungen:

1. General Prinz Wilhelm von Preußen

2. Kronprinz von Schweden - der spätere König Karl-Johann

3. Feldmarschall von Blücher                                          

4. Major von Hiller

5. Oberst von Müffling, Begleiter v. Prinz Wilhelm

6. Schöning., Adjudant von Major von Hiller

 

Der Adjutant des Majors von Hiller, Kurd von Schöning, schrieb nachträglich am 7. Februar 1834  in das Mühlbecker Kirchenbuch (Taufregister von 1742):

„Zur Geschichte des Jahres 1813 wird hierdurch nachträglich bezeuget, daß der Major von Hiller mit der Infanterie der Avantgarde vom Yorkschen Corps (Armee des Feldmarschalls von Blücher) im Monat Oktober im hiesigen Orte sein Marschquartier genommen hatte, als von den Hohen Commandierenden dieser Ort dazu gewählt ward zu einem Vereinigungspunkte, um die ferneren Maßnahmen für den Feldzug zu verabreden. In der Pfarrwohnung hatte der Major von Hiller sein Quartier, ebenso der Schreiber dieses, als sein Adjutant: in dieser kamen hier den 6. Oktober (muß heißen am 7. Oktober)  der Kronprinz von Schweden (jetzt König Karl Johann), der General von Blücher und der Prinz Wilhelm von Preußen, Bruder seiner. Majestät des Königs, und  verabredeten in einem oberen Zimmer dieses Hauses den Plan zu einer gemeinsamen Seitenbewegung der beiden großen Armeen vom Kronprinzen und vom General von Blücher. Die Elbe ward hiernach aufgegeben und namentlich von der Armee des Letzteren die Bewegung gegen die Saale vollführt. In dieser Schlachtordnung blieben diese Armeen in dem bald hierauf gefolgtem Kampfe bei Leipzig und insofern der Kriegsrath hier im Pfarrhause abgehalten wurde, insofern hat dasselbe aus jenem Kriege her eine hystorische Bedeutung.“

 

Über den Kriegsrat in Mühlbeck schreibt Dr. Friedrich Foerster in seinem Buch „Geschichte der Befreiungskriege 1813-1815“ Berlin 1890, auf Seite 60 - 62 folgendes:

.

„ . . . Blücher gab der Einladung nach Mühlbeck folge;  der General Prinz Wilhelm, Bruder des Königs, und Oberst von Müffling begleiteten ihn. ‚Wir hatten’  erzählt Müffling, ‚die Erfahrung gemacht, daß die Mittheilungen des Kronprinzen durchaus nicht mit seinen mündlichen Äußerungen übereinstimmen, von welchem wir durch die preußischen Offiziere in seinem Hauptquartiere Kenntnis erhielten. General Gneisenau, welcher den Kronprinzen mit der vollen Energie seines Charakters haßte, hielt dafür, daß man durch mündliche Besprechungen weiter mit ihm kommen werde, als durch schriftliche Verhandlungen, und der General Blücher verabredete eine Zusammenkunft in dem Dorfe Mühlbeck auf den 7.Oktober. Der General Blücher bedurfte dazu eines Dolmetschers, eine Rolle, welche Gneisenau durchaus nicht übernehmen wollte, sondern zu meinem großen Schreck mir übertrug, mich mit einer unausführbaren Instruktion über das, was ich bewirken sollte versah und unter schicklichem Vorwande zurückblieb. Der Kronprinz fiel bei seiner Ankunft in Mühlbeck seinem  „cher frère d’armes“ mit der Bonhomie eines alten Soldaten um den Hals und ging in die Vorschläge, die ich ihm zum Marsch auf  Leipzig zu machen hatte,  vollständig ein, dem General Blücher dabei immer freundlich zunickend. Hierauf nahm er das Wort und sprach am Eingange mit den schönsten Redensarten in unserem Sinne, wich aber allmählich  in wesentlichen Teilen so bedeutend ab, daß unser Vorschlag gar nicht mehr derselbe war. Er schloß mit den Worten: „ainsi, nous sommes d’accord“ (wir sind demnach einverstanden). Das d’accord = Sein  bestand aber darin, daß wir eine Schlacht wollten, um der „Böhmischen Armee“ das Vorrücken zu erleichtern, und zwar zu einer Zeit, in welcher Napoleon sich noch nicht mit allen seinen Kräften vereint auf uns werfen konnte, während der Kronprinz dagegen keine Schlacht wollte, weder früher noch später,  aber er wollte sich das Ansehen geben, als ob er gewollt,  ja gesucht habe und durch die Umstände davon abgehalten sei"

.

Auszug aus Joh. Gust. Droysen „York - Ein Lebensbild preußischer Pflichterfüllung“ Paul Franke Verlag. Berlin (Seite 352 ....):

.

Möckern

Mit dem Uebergang der schlesischen Armee über die Elbe war der Krieg in das entscheidende Stadium eingetreten.

Der Kronprinz mußte jetzt mit der Nordarmee über die Elbe folgen; am 4. und 5. Oktober ging er über seine Brücken bei Roßlau und Aken, völlig ungehindert. Und die große böhmische Armee bewegte sich links hin, um aus den Pässen des Erzgebirges in die sächsische Ebene hinabzusteigen. Man nahte sich dem Augenblick, wo nach den Trachenberger Verabredungen die drei Armeen vereint den entscheidenden Schlag führen mußten.

Zwischen ihnen stand Napoleon; in dem Maße, als sich die Kreise um ihn her enger zogen, hatte er seine Streitkräfte dichter beieinander; man lief Gefahr, vor der vollbrachten Vereinigung einzeln von ihm mit Uebermacht angegriffen und bewältigt zu werden.

Blüchers nächste Sorge war, sich für solchen Fall eine feste Stellung an der Elbe zu sichern, in die er sich zurückziehen könne. Oberst Rauch erhielt den Auftrag, Wartenburg in kürzester Frist zu verschanzen und mit großen Batterien zu bestücken.

Dann folgte die Vereinigung der schlesischen und Nordarmee, indem von dieser 40 000 Mann an dem linken Muldeufer vorrückten, jene, 60 000 Mann stark, sich an das rechte Ufer zog. Am 7. Oktober war diese Vereinigung durchgeführt.

An demselben Tage hatten Blücher und der Kronprinz von Schweden eine Zusammenkunft in Mühlbeck an der Mulde, um die weiteren Bewegungen zu verabreden.

Nach allen Nachrichten war Napoleon mit seiner Hauptmacht noch in der Nähe von Dresden; von der böhmischen Armee wußte man, daß sie zum größeren Teil bis Chemnitz und Altenburg vorgegangen sei, also schon näher an Leipzig sei als Napoleon.

Der Zeitpunkt schien gekommen, sich dort mit ihr zu vereinigen. So wurde verabredet, am folgenden Tage (8. Oktober) beide Armeen, die schlesische und die des Kronprinzen, in sich zu versammeln, am 9. den Marsch auf Leipzig anzutreten.

Demgemäß ordneten Blüchers Dispositionen für den 8. und 9. Oktober den Vormarsch auf Leipzig; das Yorksche Korps, jetzt auf dem rechten Flügel der schlesischen Armee, sollte über Mühlbeck, Langeron bei Düben, Sacken bei Eilenburg die Mulde passieren.

„Wenn der Feind diesseits Leipzig eine Schlacht anbietet, so wird er am 10. Oktober von der Armee des Kronprinzen von Schweden und der schlesischen Armee gemeinschaftlich angegriffen; die Korps haben sich daher auf eine Schlacht vorzubereiten; alle Bagage bleibt auf dem rechten Muldeufer; nur soviel Lebensmittel, als auf einen Tag nötig sind, folgen den Kolonnen.“

Am 8. bei guter Zeit erreichte das Yorksche Korps die Gegend von Mühlbeck an der Mulde; die Vorhut war schon am Morgen hier übergegangen, die Infanterie auf Fähren, die Kavallerie durch den Fluß; die Hellwigschen Husaren und Kosaken vom Bülowschen Korps schlugen sich eine Meile vor Leipzig mit der französischen Kavallerie aus Leipzig herum und trieben sie bis dicht vor die Stadt.

Alles ließ sich trefflich an. Mit Freuden begrüßte man die nahe Entscheidung. Die Meldungen, welche im Lauf des Tages eingelaufen waren, ließen erkennen, daß große feindliche Streitmassen von Dresden her gegen Wurzen in Bewegung seien; es schien unzweifelhaft, daß Napoleon beabsichtigte, sich auf die schlesische und Nordarmee zu werfen, bevor diese ihre Vereinigung mit der böhmischen ermöglichten. Der Kronprinz hatte keine Meinung, den drohenden Stoß zu erwarten, er wollte schleunigst über die Elbe zurück und die Brücken hinter sich abbrechen, er forderte Blücher auf, sich ebenso über Wartenburg zurückzuziehen, um Berlin zu decken. Es kostete Mühe, ihn von dieser Vorstellung abzubringen. Da der Hauptgesichtspunkt war und bleiben mußte, sich mit der böhmischen Armee zu vereinen, so wurde seitens des Blücherschen Hauptquartiers vorgeschlagen, dem Stoß, den Napoleon zu beabsichtigen scheine, hinter die Saale hin auszuweichen und von dort aus im Rücken Napoleons die Verbindung mit der böhmischen Armee zu suchen. Der Kronprinz ging auf diesen Plan mit der Bedingung ein, daß Blücher sich dann auf den rechten, dem Feinde näheren Flügel setzte und bei Wettin die Saale überschreite.“. . . . . .

.

 

 

.

Liste der im Kriegszug Napoleons gegen Russland verschollen und gefallenen

sächsischen Soldaten aus dem Gebiet des Kreises Bitterfeld

(Auszug Mühlbeck)  Quelle:  Landrätliche Akte Nr. 14 und 21 

von 1816 und 1817:

Gottlieb Quilitzsch, trat 1806 als Musketier im Infanterie-Regiment von Leipziger ein. Letzte Nachricht 1807.

Gottfried Quilitzsch, trat 1806 im Kürass. Reg. v. Zezschwitz als Gemeiner ein. Letzte Nachricht 1807.

Christ Jericke, trat 1806 im Kürass. Reg. v. Zezschwitz als Gemeiner ein. Letzte Nachricht 1812.

Gottfried Jericke, trat 1806 im Kürass. Reg. v.  Zezschwitz als Gemeiner ein. Letzte Nachricht 1812.

Christoph Quilitzsch, trat 1806 im Kürass. Reg. v. Zezschwitz ein. Letzte Nachricht 1812.

Christian Hofmann, trat 1806 im Husarenreg. als Gemeiner ein. Letzte Nachricht 6.1.1813.

Gottfried Weise, trat 1810 im Infanteriereg. v. Ryßel als Grenadier ein. Letzte Nachricht 14.12.1812.

Gottfried Ruprich, trat 1810 im Infanteriereg. v. Leipziger als Musketier ein. Letzte Nachricht 1812.

Gottfried Kretschmann, trat 1810 in Infanteriereg v.Leipziger ein. Letzte Nachricht 1812.

Gottfried Quielsch, trat 1808 im Kürass. Reg. v. Zastrow als Gemeiner ein. Letzte Nachricht 12.5.1812.

Christoph Quielsch, trat 1810 in Kürass. Reg. v. Zastrow als Gemeiner ein. Letzte Nachricht 12.5.1812.

.

 

Lt. Aufzeichnungen des Lehrers und Chronisten Otto Kieser:

Einquartierungen in Mühlbeck im Jahre 1813

Am 5. Juli rücken 59 Mann französische Chasseurs in Mühlbeck ein und bleiben vier Wochen.

Den 5. bis 12. August liegen 160 Mann Infanterie hier.

Vom 26. bis 27. September lagern 14 000 polnische Ulanen in einem Lager am Dorfe.

Am 3. bis 4. Oktober befindet sich ein Kosakenlager vorm Ort.

Vom 4. bis 7. Oktober bezieht die preußische Avantgarde vom Yorkschen Corps in Mühlbeck, Pouch und Friedersdorf ein Lager und "hausten übel ".

 Vom 7. bis 9. Oktober quartiert hier ein neues Corps ein und plündert gleichfalls.

Den 9. Oktober rückt ein neues Corps Russen ein und rückt den 10. wieder über Jeßnitz nach der Saale ab. 

Am 11. Oktober plündern abermals Kosaken unser Dorf.       

Die Belastungen der Ortschaften war riesig. Der Krieg fraß in den Dörfern die Vorräte auf. Der kommende Winter war für die Einwohner der Dörfer und Städte gezeichnet von Hunger und Elend. Man muß bedenken, das unser Dorf mit 237 Einwohnern durch die enormen Einquartierungen unerträglichen Belastungen ausgesetzt war.

 

Noch zu bemerken ist, daß am 8. Mai 1813, 4 Uhr früh die hiesige schöne Muldebrücke sowie auch die Jeßnitzer Brücke von den Preußen abgebrannt wurde, wie es mit der Dübener bereits am 6. Mai geschehen war.

 

.

Das alte Pfarrhaus (erbaut im Jahre 1682) wurde 1844 völlig abgetragen.

Daneben wurde in den Jahren 1842 bis 1844 ein neues Pfarrhaus errichtet, das am 17. 5. 1844 vom Bauinspektor abgenommen und von dem damaligen Pfarrer Vogel bezogen wurde.

Heute befindet sich in diesem Gebäude, das Geschichtsmuseum von Mühlbeck.

.

 

Für die textliche Ausarbeitung möchte ich mich bei Herrn Klaus Kreth aus Mühlbeck recht herzlich bedanken.

 

    zurück zur Zeittafel