Möckern
Mit dem Uebergang der
schlesischen Armee über die Elbe war der Krieg in
das entscheidende Stadium eingetreten.
Der Kronprinz mußte jetzt mit
der Nordarmee über die Elbe folgen; am 4. und 5.
Oktober ging er über seine Brücken bei Roßlau und
Aken, völlig ungehindert. Und die große böhmische
Armee bewegte sich links hin, um aus den Pässen des
Erzgebirges in die sächsische Ebene hinabzusteigen.
Man nahte sich dem Augenblick, wo nach den
Trachenberger Verabredungen die drei Armeen vereint
den entscheidenden Schlag führen mußten.
Zwischen ihnen stand Napoleon; in
dem Maße, als sich die Kreise um ihn her enger
zogen, hatte er seine Streitkräfte dichter
beieinander; man lief Gefahr, vor der vollbrachten
Vereinigung einzeln von ihm mit Uebermacht
angegriffen und bewältigt zu werden.
Blüchers nächste Sorge war,
sich für solchen Fall eine feste Stellung an der
Elbe zu sichern, in die er sich zurückziehen könne.
Oberst Rauch erhielt den Auftrag, Wartenburg in
kürzester Frist zu verschanzen und mit großen
Batterien zu bestücken.
Dann folgte die Vereinigung der
schlesischen und Nordarmee, indem von dieser 40 000
Mann an dem linken Muldeufer vorrückten, jene, 60
000 Mann stark, sich an das rechte Ufer zog. Am 7.
Oktober war diese Vereinigung durchgeführt.
An demselben Tage
hatten Blücher und der Kronprinz von Schweden eine
Zusammenkunft in Mühlbeck an der Mulde, um die
weiteren Bewegungen zu verabreden.
Nach allen Nachrichten war
Napoleon mit seiner Hauptmacht noch in der Nähe von
Dresden; von der böhmischen Armee wußte man, daß
sie zum größeren Teil bis Chemnitz und Altenburg
vorgegangen sei, also schon näher an Leipzig sei als
Napoleon.
Der Zeitpunkt schien gekommen,
sich dort mit ihr zu vereinigen. So wurde verabredet,
am folgenden Tage (8. Oktober) beide Armeen, die
schlesische und die des Kronprinzen, in sich zu
versammeln, am 9. den Marsch auf Leipzig anzutreten.
Demgemäß ordneten Blüchers
Dispositionen für den 8. und 9. Oktober den
Vormarsch auf Leipzig; das Yorksche Korps, jetzt auf
dem rechten Flügel der schlesischen Armee, sollte
über Mühlbeck, Langeron bei Düben, Sacken bei
Eilenburg die Mulde passieren.
Wenn der Feind diesseits
Leipzig eine Schlacht anbietet, so wird er am 10.
Oktober von der Armee des Kronprinzen von Schweden
und der schlesischen Armee gemeinschaftlich
angegriffen; die Korps haben sich daher auf eine
Schlacht vorzubereiten; alle Bagage bleibt auf dem
rechten Muldeufer; nur soviel Lebensmittel, als auf
einen Tag nötig sind, folgen den Kolonnen.
Am 8. bei guter Zeit erreichte
das Yorksche Korps die Gegend von Mühlbeck an der
Mulde; die Vorhut war schon am Morgen hier
übergegangen, die Infanterie auf Fähren, die
Kavallerie durch den Fluß; die Hellwigschen Husaren
und Kosaken vom Bülowschen Korps schlugen sich eine
Meile vor Leipzig mit der französischen Kavallerie
aus Leipzig herum und trieben sie bis dicht vor die
Stadt.
Alles ließ sich trefflich an.
Mit Freuden begrüßte man die nahe Entscheidung. Die
Meldungen, welche im Lauf des Tages eingelaufen
waren, ließen erkennen, daß große feindliche
Streitmassen von Dresden her gegen Wurzen in Bewegung
seien; es schien unzweifelhaft, daß Napoleon
beabsichtigte, sich auf die schlesische und Nordarmee
zu werfen, bevor diese ihre Vereinigung mit der
böhmischen ermöglichten. Der Kronprinz hatte keine
Meinung, den drohenden Stoß zu erwarten, er wollte
schleunigst über die Elbe zurück und die Brücken
hinter sich abbrechen, er forderte Blücher auf, sich
ebenso über Wartenburg zurückzuziehen, um Berlin zu
decken. Es kostete Mühe, ihn von dieser Vorstellung
abzubringen. Da der Hauptgesichtspunkt war und
bleiben mußte, sich mit der böhmischen Armee zu
vereinen, so wurde seitens des Blücherschen
Hauptquartiers vorgeschlagen, dem Stoß, den Napoleon
zu beabsichtigen scheine, hinter die Saale hin
auszuweichen und von dort aus im Rücken Napoleons
die Verbindung mit der böhmischen Armee zu suchen.
Der Kronprinz ging auf diesen Plan mit der Bedingung
ein, daß Blücher sich dann auf den rechten, dem
Feinde näheren Flügel setzte und bei Wettin die
Saale überschreite.. . . . . .